Beatrix Schnippenkoetter
brandheiß, Installation Potsdamer Strasse, magistrale 2008

Zeitung ist etwas Flüchtiges, ein für den Tag bedruckter Stapel dünnes Papier mit Verfallsdatum, von dem es gerne heißt: „Morgen wird darin ohnehin Fisch eingewickelt.“
Um Widerstand zu leisten gegen die zunehmende Digitalisierung von Zeitungen, übertrage ich Bilder und Schlagzeilen aus dem „Tagesspiegel“ des Sommers 2008 mit Brennkolben auf überdimensionale Sperrholzplatten.
Zeitungspapier in seinen hölzernen Urzustand zurückzuführen, ist auch ein materieller Widerstand dagegen, dass Nachrichten als Ware zunehmend auf Monitore verschoben werden. Die Gravur mit dem Brennkolben soll daran erinnern, dass dem Zeitungsmachen ursprünglich auch etwas Schwerfälliges innewohnte, etwas im wahrsten Wortsinn „Gesetztes“.
Der Gedanke, Zeitungen in Holz zu brennen, versucht die Zeitung in Zeiten ihrer langsamen Verflüchtigung als Objekt des städtischen Alltags zu begreifen, als kulturelle Erscheinungsform, der zwar ihrem Wesen nach die Vergänglichkeit eingeschrieben, die aber aus dem Stadtbild nicht wegzudenken ist.
Die Zeitung auf Holz, das ist die Unmöglichkeit, mit der Welt und ihren Neuigkeiten Schritt zu halten, das ist aber auch die Möglichkeit, der Zeitung als Objekt die Ehre zu erweisen, indem man sie genau als solches feiert und verewigt - in diese Platten lässt sich jedenfalls kein Fisch einwickeln...


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